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05.11.2013 06:37 Alter: 12 Jahre
Kategorie: Presseartikel

Theaterpreise Nestroy an Poelnitz und Bloeb

OÖ Nachrichten, 5. November 2013 -


Gregor Bloeb wurde als bester Schauspieler geehrt. Bild: (APA)

In der Kategorie "Beste Schauspielerin" konnte Christiane von Poelnitz bei ihrer fünften Nominierung erstmals einen Nestroy mit nach Hause nehmen. Mit ihrer eindrucksvollen Verkörperung der Titelrolle in Hugo von Hofmannsthals "Elektra" schlug die 42-jährige Burgschauspielerin ihre Konkurrentinnen Sandra Cervik, Gerti Drassl, Franziska Hackl und Katharina Straßer aus dem Feld.

Mit dem Regie-Nestroy für "Elektra"-Regisseur Michael Thalheimer erhielt die radikale Burgtheater-Produktion noch eine zweite Auszeichnung. Der 48-jährige Frankfurter setzte sich dabei gegen Martin Kusej und Georg Schmiedleitner durch.

"Bester Schauspieler" wurde erstmals Gregor Bloeb, der im Theater in der Josefstadt und beim Theatersommer Haag in Felix Mitterers "Jägerstätter" die Titelrolle des 1943 als Kriegsdienstverweigerer hingerichteten Innviertler Bauern Franz Jägerstätter verkörperte. Der 45-jährige Innsbrucker setzte sich damit gegen die früheren Nestroy-Preisträger Nicholas Ofczarek und Gert Voss sowie gegen Norman Hacker und Philipp Hochmair durch und lobte die Jury: "Eine gute Entscheidung!"

Den Nestroy für die "Beste deutschsprachige Aufführung" gewann "Reise durch die Nacht" der österreichischen Autorin Friederike Mayröcker, inszeniert von Katie Mitchell am Schauspiel Köln. Die mit dieser Saison nach Hamburg gewechselte Kölner Intendantin Karin Beier nahm den Preis entgegen.

Den Nestroy für die beste Nebenrolle durfte Till Firit vom Volkstheater Wien entgegennehmen. Der 36-jährige Leipziger wurde für seine Darstellung des verliebten, schrulligen Gutsbesitzers Lewin in einer Dramatisierung des Tolstoi-Romans "Anna Karenina" ausgezeichnet und freute sich sehr darüber, als erster Preisträger des Abends auf die Bühne geholt zu werden.

Der Publikumspreis ging an Florian Teichtmeister, der an seinem 34. Geburtstag nicht nur einen "Nestroy", sondern auch einen "Happy Birthday"-Chor aus dem Publikum entgegennehmen durfte.

Stefan Rosenthal, 30-jähriges, in Berlin geborenes Ensemblemitglied des Theaters der Jugend, bekam für seine Darstellung des an Leukämie erkrankten Teenagers Sam in einer Bearbeitung des Romans "Wie man unsterblich wird" von Sally Nicholls den Nachwuchs-Nestroy und schloss seine kurze, emotionale Rede mit: "Theater der Jugend, juchuh!"

Burgschauspielerin Johanna Wokalek hielt die Laudatio auf Lebenswerk-Preisträger Luc Bondy. Der 65-jährige Regisseur und langjährige Intendant der Wiener Festwochen wurde mit Standing Ovations geehrt und nahm seine Auszeichnung aus den Händen von Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) entgegen. "Ich geb' Dir den Preis unter einer Bedingung: Dass Dein Lebenswerk in Wien nicht abgeschlossen ist", so der Stadtrat.

Elfriede Jelinek nahm den Autorenpreis für ihr Stück "Schatten (Eurydike sagt)" wie erwartet nicht persönlich entgegen, hatte aber unter dem Titel "Meine gute Textwurst" eine Dankesrede verfasst, die sie selbst per Toneinspielung vortrug, als Synchronstimme für die von Puppenspieler Nikolaus Habjan geführte (und im ausgezeichneten Stück mitwirkende) Jelinek-Puppe.

Burgtheater-Billeteur enterte wieder die Bühne

Jelinek nahm in ihrem Text u.a. Bezug auf den jüngst in Diskussion geratenen Vertrag des Burgtheaters mit der Firma G4S: "Anläßlich der Geburtstagsfeiern des Burgtheaters hat ein Billeteur versucht, auf die Situation der outgesourcten Mitarbeiter, wie er einer ist, hinzuweisen. Ein Krake, Dienstleistungs-Multi, der, unter all dem, was er sonst noch zu tun hat, auch Programmhefte im Theater verteilen läßt, so wie er gleichzeitig, aber auch zu andrer Zeit, Bootsflüchtlinge und Asylanten bewacht, wurde mit dieser Aufgabe betraut. Der Mann durfte sich nicht aussprechen, weil die Zeit der Veranstaltung zu weit fortgeschritten war. Ich kann hier auch nicht für ihn sprechen, ich müßte ihn schon selbst sprechen lassen. Dafür spricht in den Foren jeder von ihm und kaum einer von der Veranstaltung."

Auch Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann, dessen Laudatio aufgrund kurzfristig notwendiger Umdispositionen im Burgtheater von Dramaturgin Amely Haag gehalten wurde, nahm am Ende seiner Würdigung auf Jelinek auf den Billeteur Bezug: "Der Billeteur Christian Diaz hat recht! Es braucht mutige Menschen wie ihn, um die Ohnmacht zu überwinden. Ihm gebührt ein Nestroy!" Diaz enterte daraufhin kurz selbst die Bühne und rief die übrigen Bundestheater-Intendanten dazu auf, sich mit Hartmann zu treffen und sich mit ihm zu solidarisieren.