Hauptplatz Stadt Haag

Kleine Stadt - ganz groß!

< Vorheriger Artikel
12.06.2008 13:02 Alter: 18 Jahre
Kategorie: Allgemeines
Von: Gerhard Obermayr

Turmfalken abgeflogen

Neues Leben im Luftraum um den Haager Kirchturm.


Fotos: © Gerhard Obermayr

Nun sind sie endlich abgeflogen - die Turmfalken, die in einer Fensternische des Kirchturms aufgezogen wurden.

Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist nach dem Mäusebussard der häufigste Greifvogel in Mitteleuropa. Vielen ist der Falke vertraut, da er sich auch Städte als Lebensraum erobert hat und oft beim Rüttelflug zu beobachten ist. Er war der Vogel des Jahres 2007.

Das Wort "häufig" ist aber mit Vorsicht zu genießen: Wo haben Sie das letzte Mal einen Mäusebussard gesehen? Deshalb kann man beim Turmfalken trotzdem nur von "relativ selten" sprechen. Erkennbar sind sie bei uns in Haag alleine schon wegen des schrillen Rufes, der momentan sehr häufig rund um die Kirche zu hören ist.

Im Geäst der Bäume beim Kriegerdenkmal versammeln sich die lustigen Gesellen und betteln bei den Altvögeln um Futter.

Bald jedoch werden sie sich selber um das tägliche Mal kümmern müssen. Denn die Versorgung von ein paar Schnäbeln mehr ist nicht ganz einfach für die Eltern ...

Die wissenschaftliche Artbezeichnung tinnunculus weist auf den Ruf des Turmfalken hin, der an ein ti, ti, ti, ti erinnert und in Ton und Rufgeschwindigkeit je nach Situation variiert. Übersetzt bedeutet das Wort tinnunculus etwa „klingend“ oder „schellend“.

Die heute im deutschen Sprachgebrauch übliche Bezeichnung Turmfalke weist darauf hin, dass Turmfalken auch menschliche Bauwerke als Brutplatz nutzen und dabei bevorzugt in den obersten Regionen nisten. Neben der Bezeichnung Turmfalke existieren noch eine Reihe weiterer Trivialbezeichnungen, die regional sehr unterschiedlich sind. Namen wie Rüttelfalke oder Rüddelfalke weisen auf den charakteristischen Flug hin; Mauer-, Dom- oder Kirchfalke auf die in menschlichen Siedlungen präferierten Nistgelegenheiten.

Der Turmfalke hat auch Stadtlandschaften als Lebensraum erobert. Er profitiert dabei davon, dass Jagd- und Bruthabitat nicht identisch sein müssen. In Städten brütende Falken müssen allerdings sehr häufig weit fliegen, um ihre traditionellen Hauptbeutetoere - die Mäuse - zu erjagen. Untersuchungen lassen darauf schließen, dass Turmfalken eine Entfernung bis zu fünf Kilometer zu ihren Jagdplätzen tolerieren. Bei einer Reihe von in der Stadt brütenden Individuen zeigt sich aber eine Veränderung in der Jagdform und im Beutespektrum.

Hoffen wir, dass sie sich in Haag wohlfühlen und im nächsten Jahr wieder ein paar Exemplare dazukommen, denn recht häufig sind diese nützlichen Tiere nicht mehr in freier Wildbahn anzutreffen.